Kein Vergessen!

Am 24. August 1992 wurde Frank Bönisch auf dem Zentralplatz in Koblenz von einem Neonazi erschossen. Weitere Menschen wurden angeschossen und schwer verletzt. Wenige Wochen vorher, in der Nacht vom 31.07. auf den 01.08.1992, wurde der Obdachlose Dieter Klaus Klein in Bad Breisig von Nazi-Skins ermordet. Bereits am 28.12.1990 war der 17-jährige Flüchtling Nihad Yosufuglu im Westerwald von Nazis getötet worden.

Der Mord in Koblenz geschah in der Zeit der nationalistischen Aufbruchstimmung Anfang der 1990er Jahren. In den Pogromen Ende August in Rostock-Lichtenhagen fand diese Stimmung ihren Höhepunkt. Ein rassistischer Mob griff mit Unterstützung von Anwohner_innen und angereisten Neonazis ein Wohnheim für Asylbewerber_innen über mehrere Tage an.

Ein Neonazi mit dem Szenenamen „Deutscher Andy“ nahm die Ereignisse in Rostock zum Anlass, jetzt auch in Koblenz loszuschlagen. Das Gericht stellte später fest, der Täter habe „aus Hass auf Obdachlose und sozial Randständige gehandelt“. Der „Deutsche Andy“ sah sich dabei als Vertreter einer schweigenden Mehrheit.

Damals wie heute fallen menschenverachtende Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus sowie weitere Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diffamierung nicht einfach vom Himmel. Sie hängen stark mit unserem Wirtschaftssystem zusammen. Im Kapitalismus werden Menschen in Gewinner_innen und Verlierer_innen eingeteilt. Diese Erfahrungen verleiten dazu, nach vermeintlich einfachen Lösungen und Sündenböcken zu suchen.

Davon betroffene Menschen erfahren zu wenig Unterstützung und Solidarität. Stattdessen wurden und werden sie in dieser Gesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt. Auch hier in Koblenz gibt es Menschen, die von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind. Dabei vertreten große Teile der Bevölkerung offen rassistische und andere menschenverachtende Einstellungen. Bücher mit rassistischem Inhalt verkaufen sich so gut, dass diese zu Bestsellern werden.

Mord und Terror sind dabei keine Einzelerscheinung, sondern Folgen dieser menschenverachtenden Einstellungen wie Rassismus und dem Weltbild von Neonazis. Mindestens 182 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 zählen unabhängige Organisationen. Die Bundesregierung dagegen spricht lediglich von 59 Opfern. Auch der Mord an Frank wird von der Bundesregierung nicht offiziell anerkannt!

So liegt es immer wieder an zivilgesellschaftlichen Initiativen wie uns, auf rassistisch motivierte Gewalt aufmerksam zu machen, und Formen für ein würdiges Gedenken an die Opfer zu ermöglichen.

In Koblenz ist es gelungen, mit der Stadt in einen erfolgreichen Dialog zu treten: ein Gedenkstein für die Opfer am Zentralplatz wird eingerichtet. Der Termin der Verlegung steht aber noch nicht fest.

Wir fordern:

Solidarität mit allen Opfern von Rassismus und rechter Gewalt!

Ein würdiges Gedenken an die Opfer von Nazigewalt

Eine entschiedene Bekämpfung aller neonazistischen Gruppen und Organisationen!

Gegen Rassismus und jegliche Form von Ausgrenzung und Diskriminierung – für grenzenlose Solidarität!

Initiative kein vergessen Koblenz